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Telefonie & Routing

RTP und SRTP

RTP transportiert Echtzeitmedien wie Sprache. SRTP ergänzt Schutzmechanismen für diese Medien; die Absicherung der Signalisierung ist eine eigene Aufgabe.

Redaktion: smao Team · Stand: 14. September 2026

Kurz erklärt

RTP steht für Real-time Transport Protocol und transportiert Echtzeitmedien wie Audio in IP-Netzen. Sequenznummern und Zeitstempel helfen dem Empfänger, Pakete einzuordnen. SRTP ist die abgesicherte Variante mit Mechanismen für Vertraulichkeit, Integrität und Schutz vor wiederholtem Einspielen von Paketen. Ob ein gesamtes Telefongespräch geschützt ist, entscheidet jedoch der vollständige Verbindungsweg einschließlich Schlüsselaustausch und Zwischenstationen.

Welche Aufgabe übernimmt RTP?

Bei einem Telefonat zerlegt die Anwendung codierte Sprache in Pakete. RTP ergänzt Informationen, mit denen die Gegenseite die Daten dem richtigen Strom und Zeitpunkt zuordnen kann. Der Codec beschreibt die Codierung des Audios; RTP übernimmt eine andere Aufgabe. In vielen Telefonieumgebungen läuft RTP über UDP. RFC 3550 trennt das Medienprotokoll ausdrücklich vom darunterliegenden Transport.

RTP garantiert weder die Zustellung noch eine bestimmte Laufzeit. Verlorene, verspätete oder vertauschte Pakete müssen Endpunkte und Netzbetrieb berücksichtigen. Das ergänzende RTCP kann Rückmeldungen zum Empfang liefern. Für die Fehlersuche ist diese Trennung hilfreich: Die Frage nach hörbaren Aussetzern ist eine andere als die Frage, ob eine Telefoniesitzung überhaupt aufgebaut wurde.

Was ergänzt SRTP, und woher kommen die Schlüssel?

SRTP ergänzt RTP um kryptografische Schutzmechanismen. RFC 3711 beschreibt unter anderem Verschlüsselung, Nachrichtenauthentifizierung und Replay-Schutz. Damit werden unterschiedliche Risiken adressiert: das Mitlesen von Medien, veränderte Pakete und das erneute Einspeisen bereits übertragener Daten. Welche Verfahren tatsächlich verwendet werden, muss für die jeweilige Verbindung vereinbart und überprüft werden.

SRTP allein regelt nicht den gesamten Schlüsselaustausch. Ein dafür vorgesehenes Verfahren ist DTLS-SRTP, das RFC 5764 beschreibt. Beide Gegenstellen müssen zusammenpassende Verfahren unterstützen und den gewünschten Schutz korrekt aushandeln. Ein gesetztes Häkchen im Administrationsbereich ist noch kein Nachweis für den tatsächlich genutzten Medienpfad.

Warum reicht SIP über TLS nicht aus?

SIP-Signalisierung und Sprachmedien erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können über unterschiedliche Verbindungen laufen. TLS auf einer SIP-Verbindung schützt nicht automatisch den separaten Audiostrom. Umgekehrt beschreibt SRTP nicht die Absicherung aller Signalisierungsdaten. Die technische Dokumentation sollte beide Wege zeigen, statt das gesamte Gespräch pauschal als verschlüsselt zu bezeichnen.

Zusätzlich zählen die Endpunkte der Verschlüsselung. Wenn ein Gateway oder SBC Medien entschlüsselt und anschließend über eine neue geschützte Verbindung weitergibt, liegen mehrere geschützte Abschnitte vor. Die Zwischenstation gehört dann zur Vertrauensgrenze. Bei Sprachverarbeitung muss außerdem geklärt sein, welche Komponente Zugriff auf das entschlüsselte Audio erhält und was danach gespeichert oder weitergegeben wird.

Was sollten IT-Teams bei Voice AI prüfen?

Für eine belastbare Abnahme werden Rufaufbau, Medienqualität und Schutz getrennt geprüft. Ein Testprotokoll hält fest, welche Gegenstellen beteiligt sind und welche Verfahren auf jeder Teilstrecke verwendet werden. Für die Audioqualität werden beide Richtungen und die vorgesehenen Vermittlungsszenarien berücksichtigt. Verschlüsselung behebt keine Paketverluste und ersetzt keinen passenden Codec.

Bei einer lokalen KI-Verarbeitung endet die Prüfung nicht am Standort des Sprachmodells. Provider, Telefonanlage und gegebenenfalls SBC bleiben Teil des Gesprächswegs. Für smao On Premises werden Telefoniekonnektivität und Anforderungen an den jeweiligen Netzpfad projektbezogen geprüft. Daraus entsteht keine pauschale Zusage, dass jede bestehende Telefonanlage denselben verschlüsselten Verbindungsweg unterstützt.

  • Signalisierung: Welche Teilstrecken sind geschützt und welche Gegenstellen beteiligt?
  • Medien: Wo läuft RTP oder SRTP, und wo wird Audio entschlüsselt?
  • Betrieb: Wer verantwortet Schlüssel, Zertifikate und Änderungen?
  • Abnahme: Funktionieren beide Audiorichtungen sowie die vereinbarten Übergaben?

Praxisbeispiel

Ein mögliches Prüfszenario: Ein Betrieb verbindet seine Telefonanlage mit einer Voice-Anwendung. Die Administrationsoberfläche zeigt TLS für den Rufaufbau an. Im Test wird zusätzlich geprüft, ob auch der Medienweg SRTP verwendet. Beide Ergebnisse werden für die konkrete Verbindung festgehalten, ohne Audioinhalte unnötig in Diagnoseprotokolle zu übernehmen.

Später wird ein SBC ergänzt. Damit ändert sich die Verbindungskette. Das Team prüft erneut, ob der SBC die Medien nur weiterleitet oder entschlüsselt und neu schützt. Der frühere Test des direkten Pfads lässt sich nicht ungeprüft auf die neue Architektur übertragen.

Abgrenzung

  • RTP transportiert Medien; SIP steuert typischerweise den Aufbau und das Ende der Sitzung.
  • SRTP ist kein Codec und garantiert weder gute Sprachqualität noch einen bestimmten Hostingstandort.
  • Geschützte Teilstrecken sind nicht automatisch eine durchgehende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Gesprächsteilnehmern.

Quellen

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